

Dr. Joachim Gauck
Ehemaliger Bundesbeauftragter für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Der Vortrag behandelt das Verhältnis der Deutschen in Ost und West zueinander, die Langsamkeit des Mentalitätswandels, die Folgen von 3 Generationen Diktatur (Karrieresicherung durch Anpassung, ständiger Druck, Entmächtigung, Gehorsam, Unterwerfung) und nimmt Bezug auf die aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklung.
Zehn Jahre hat Joachim Gauck als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes über ein Erbe gewacht, das er selbst einmal als "besonders trübes Kapitel in der deutschen Geschichte" bezeichnete. Als unbequemer Mahner und Moralist wurde der frühere Pastor und ostdeutsche Bürgerrechtler zu einer Art gesamtdeutschen Instanz. Und er schaffte, was vor ihm in der Bundesrepublik keinem gelang: Sein Name steht für die Behörde, die er ein Jahrzehnt leitete. Dabei musste der 1940 in Rostock geborene Joachim Gauck seine Haltung zum Staat DDR nicht erst finden, als er sein Amt übernahm. "Schon im Alter von neun Jahren" habe er gewusst, "dass der Sozialismus ein Unrechtssystem war", sagte er 1991 in einem Interview.