MiFID II ante portas

Der Countdown läuft: Rund 15 Monate verbleiben bis zur Anwendung der überarbeiteten und mit weiteren Anforderungen einhergehenden EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II und deren Verordnung MiFIR. Obwohl die Arbeiten an den technischen Durchführungsbestimmungen noch nicht abgeschlossen sind und sich zeitlich verzögern, soll die Anwendung der Regelungen zum 3. Januar 2017 erfolgen. Die dwpbank untersucht die strategischen Auswirkungen und bereitet die notwendigen operativen Anpassungen für die Umsetzung vor.

MiFID II/MiFIR beeinflusst die Geschäftsmodelle von Kreditinstituten, Handelsplätzen und Infrastrukturdienstleistern. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Produkt- und Vertriebsprozessen von Kreditinstituten. Zahlung und Empfang von Zuwendungen bleiben nach derzeitiger Diskussionslage weiter erlaubt, die Anforderungen an deren Zulässigkeit werden jedoch vor dem Hintergrund zu vermeidender Interessenkonflikte erhöht. Bei Vermögensverwaltungen werden ab 2017 Zuwendungseinbehalte nicht mehr möglich sein. Das führt zu strategischen Fragen bei Kreditinstituten bezüglich ihrer Vertriebsstrukturen und ihres Angebots an Beratung im Wertpapiergeschäft. Eine unabhängige Anlageberatung auf Honorarbasis, die bereits seit August 2014 in Deutschland mit dem Honoraranlageberatungsgesetz geregelt ist, stößt bislang aufgrund von Marktbeobachtungen auf nur geringes Interesse. MiFID II/MiFIR regelt auch, dass Institute, die in organisierter und systematischer Weise und in erheblichem Umfang Kundenaufträge für eigene Rechnung außerhalb eines Handelsplatzes ausführen, grundsätzlich zum Systematischen Internalisierer (SI) werden. Nach bisherigem Informationsstand könnte ein Institut durch den Abverkauf von Offerten grundsätzlich ein SI werden und damit u.a. den erweiterten Pflichten zur Vor- und Nachhandelstransparenz unterliegen, sofern die relevanten Schwellwerte überschritten werden. Die dwpbank prüft derzeit, ob sie ihre Kunden mit geeigneten Lösungen unterstützen kann.

MiFID Projektorga

Neben den strategischen Aspekten bereitet sich die dwpbank aktiv auf die notwendigen systemtechnischen und prozessualen Anpassungen vor, soweit es der Stand und die Annahmen zu den technischen Durchführungsbestimmungen zulassen. Dabei orientiert sich die dwpbank mit ihrer Projektstruktur an den MiFID II/MiFIR-Themen „Best Execution und AlgoTrading“, „Anlegerschutz“, „Transaktionsmeldung und Reporting“ sowie „Markttransparenz und Marktinfrastruktur“. Um gemeinschaftlich abgestimmte Lösungen für ihre Kunden zu erarbeiten und ihre Expertise in den Umsetzungsprozess einzubringen, ist die dwpbank in die Arbeitsgruppen der Verbände (VÖB, BVR, DSGV) eng eingebunden.

Neben den bestehenden Kundenarbeitskreisen hat die dwpbank den temporären Arbeitskreis „MiFID II“ eingerichtet. Dieser dient der Erörterung und Abstimmung fachlicher und regulatorischer Fragen sowie der Formulierung von Empfehlungen zu einem standardisierten Serviceangebot. Die Teilnehmer des Arbeitskreises setzen sich aus den Kundengremien der dwpbank sowie den jeweiligen Verbänden zusammen.

Die dwpbank nimmt sich dabei insbesondere folgenden Themen an:

  • 
Ex ante transaktionsbezogene Informationen und jährliches ex post Reporting an Kunden über Kosten und Gebühren sowie ggf. erhaltenen Zuwendungen
  • Lösungen im Rahmen der erweiterten Verpflichtung durch Best Execution und der Veröffentlichung der TOP 5 Ausführungsplätze
  • Ablösung der § 9 WpHG-Meldung und Einführung der Art. 26 MiFIR-Meldung
  • Umsetzung des Interventionsregimes mit Vertriebsbeschränkungen und Verkaufsverboten
  • Abgleiche bezogen auf die Zielmärkte, die Emittenten und vertreibende Stellen für ihre Produkte festlegen

Wie auch in anderen Regulierungsbereichen setzt die dwpbank im Interesse ihrer Kunden auf strategische Entwicklungen antizipierende, gebündelte und einheitliche Lösungen, um die notwendigen Anpassungsaufwände so gering wie möglich zu halten und Standards zu setzen. Denn es gilt, das Wertpapiergeschäft nicht nur sicher und gesetzeskonform, sondern auch wirtschaftlich weiterhin attraktiv zu gestalten.

MiFID_Zeitplan_630