Angebots- und Nachfragepolitik für Euroland

[Ein Kommentar von Dr. Ulrich Kater, DekaBank]

Das schaurige Wort von der Japanisierung Europas macht die Runde. Die Europäische Zentralbank argumentiert, dass die Inflationserwartungen immer noch im Positiven verankert sind. Das ist richtig. Allerdings sind negative Inflationsraten nicht das eigentliche Problem. Eine richtige Deflation mit dauerhaft fallenden Preisen und Deflation ist nur das Symptom. Die eigentliche Krankheit sind die Deflationsursachen.Einkommen hat es in den modernen Papierwährungen noch nie gegeben. Selbst in Japan ist das Verbraucherpreisniveau seit Beginn der neunziger Jahre „nur“ um insgesamt vier Prozent gesunken. Da kann man nicht von der Gefahr sprechen, dass Konsum verschoben wird oder der Schuldendienst nicht mehr möglich ist. Deflation ist nur das Symptom. Die eigentliche Krankheit sind die Deflationsursachen.

Deflation entsteht, wenn die Wirtschaft nicht in Gang kommt – wie derzeit in Euroland. Wir stehen in Europa weiterhin auf den Trümmern der Finanzmarktkrise und kommen mit dem Wiederaufbau von Wirtschaft und Finanzsystem nicht ausreichend voran. Man spricht zwar nicht mehr von Krise, verhält sich aber, als wäre sie noch da oder könnte sofort wieder ausbrechen. Investitionen liegen darnieder, das Zukunftsvertrauen ist schwach. Selbst der gegenwärtige Aufschwung reicht nicht, um die Kapazitäten auszulasten.

Sprach man in diesem Jahr angesichts schwacher Zahlen für Euroland über eine Rückkehr der Rezession, dann wurde übersehen: Europa ist seit sechs Jahren in der Rezession. Rezession bedeutet die Unterauslastung der Produktionskapazitäten. Das ist in Euroland seit Jahren der Fall. Dagegen braucht Euroland Angebots- und Nachfragepolitik. Einseitig auf Geld- oder Fiskalpolitik ausgerichtete Maßnahmen werden das Problem nicht lösen. Das hat Japan bereits gezeigt.
Dr. Ulrich Kater ist seit 2004 Chefvolkswirt bei der DekaBank und Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und internationaler Dienstleistungshandel.