Depotbankstudie

Verwahrstellen zwischen Regulierung  und Wettbewerb

[Gastbeitrag von Alexander Reschke, Konsort GmbH]

Der deutsche Verwahrstellenmarkt ist geprägt von immer neuen gesetzlichen Vorgaben und einem stetig wachsenden Wettbewerb. Das zeigt die alle zwei Jahre stattfindende Studie „Verwahrstellen in Deutschland“, die vom Beratungsunternehmen Konsort GmbH unter Teilnahme von 29 Verwahrstellen 2014 durchgeführt wurde.

Fast alle Studienteilnehmer konnten in den vergangenen zwei Jahren an einem insgesamt wachsenden Markt – die Volumina sind in Deutschland um rund 20 Prozent gestiegen – partizipieren. Dennoch gibt es gewaltige Unterschiede. Große Auftraggeber suchen sich immer häufiger auch große Verwahrstellen. Inzwischen sammeln sich über 60 Prozent der Volumina von Wertpapierfonds bei den vier größten Häusern, allesamt Global Custodians.

Aber auch kleine und mittlere Anbieter verzeichnen Vertriebserfolge und gewinnen Neukunden. Allerdings kämpfen die operativen Einheiten mit der zunehmenden Regulatorik. Sehr anschaulich zeigt sich das in den Produktivitätswerten: Trotz erheblicher Automatisierungsmaßnahmen hat sich die Produktivität der Verwahrstellen in den vergangenen Jahren kaum verändert. 2008 hat ein durchschnittlicher Sachbearbeiter in einer Depotbank 13,6 Wertpapier-Fonds und -Segmente bearbeitet. 2014 sind es mit 14,4 nur unwesentlich mehr. Das Fondsvermögen pro Mitarbeiter ist im gleichen Zeitraum sogar gesunken. Waren es 2008 noch 1.512 Mio. Euro pro Mitarbeiter, so sind es 2014 nur noch 1.467 Mio. Euro. Und das obwohl die Fondsvolumina seit 2008 um über 40 Prozent gestiegen sind.

Für die Verwahrstellen ist das wirtschaftlich kritisch: Einerseits führen die Investitionen in Technik nicht zu Kosteneinsparungen auf der operativen Seite. Andererseits führen die steigenden Volumina im Markt nicht zu höheren Erträgen, da durch eine stärkere Segmentierung der Fonds auch die Größe der bearbeiteten Einheiten nicht steigt. Gleichzeitig sorgt ein massiver Preisdruck für eine schwierige Marktsituation.

Details zur Studie

Unter den Teilnehmern befinden sich neun Verwahrstellen für Immobilienfonds und sieben Häuser, die die Verwahrstellenfunktion für mit dem KAGB neu regulierte Produkte anbieten, zum Beispiel für geschlossene Fonds. Dadurch waren erstmals auch alternative Verwahrstellen beteiligt, also Anbieter, die keine Banken sind, sondern Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Teilnehmer der Studie haben einen gemeinsamen Marktanteil von über 90 Prozent der Assets im deutschen Fondsmarkt und decken das gesamte Spektrum von Kleinstanbietern bis hin zu den Marktführern ab.

Viele Verwahrstellen reagieren auf diese Situation mit Spezialisierung. Der Wettlauf um die umfangreichsten Zusatz-Services ist zum Erliegen gekommen. Nur eine kleine Gruppe tritt als Vollsortimenter auf – mit dem Anspruch, alle Produkte abbilden und alle nachgefragten Services anbieten zu können. Die anderen Anbieter suchen sich ein Spezialgebiet, in dem sie sich vom Wettbewerber abheben können. Dadurch wird der Markt immer heterogener. Dazu kommt, dass mit dem KAGB neue Anbieter den Zugang zum Verwahrstellenmarkt bekommen haben. Nun dürfen auch Nicht-Banken Verwahrstelle werden. Eine Reihe von Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften nutzen diese Möglichkeit schon. Die Zahl der Verwahrstellen dürfte daher bis Ende des Jahres erst einmal steigen, trotz einiger Marktaustritte und der vielfach prophezeiten Konsolidierung. Die steigende Zahl der Anbieter sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch im Segment der geschlossenen Fonds, in dem die alternativen Verwahrstellen aktiv sind, die Masse der Mandate und Assets bei einigen wenigen Anbietern bündelt.

Weitere Informationen zur Studie sowie einen Auszug zum Download finden Sie unter www.verwahrstellenstudie.de