Ertrag ist, wo das Wachstum ist – warum Zinsen niedrig bleiben und Aktien steigen werden

[Ein Kommentar von Klaus Siegers, Vorstand der Weberbank Actiengesellschaft]

Die Eingriffe der Notenbanken haben für die weitgehende Abwesenheit von Zinsen für gute Schuldner und ein extrem niedriges Zinsniveau für nicht so gute Schuldner gesorgt. Doch was kommt danach? Das Marktgeschehen rund um das sogenannte Tapering und die Zinswende in den USA sind eher keine Blaupause für Europa. Denn die USA sind zwar stark verschuldet, aber angesichts niedriger Steuersätze mit Handlungsmöglichkeiten ausgestattet, von denen die Krisenmanager Europas nur träumen können. Was macht die EZB denn, falls sie Erfolg hat und die Inflationsrate steigt? Wird sie drei oder vier Prozent Inflation tolerieren und damit zugeben, dass es ihr um die Staatsfinanzierung ging? Oder wird sie ihrem Mandat folgen und riskieren, dass die Zinslast der Staaten untragbar wird? Kaum anzunehmen, dass die Ausschläge an den europäischen Märkten nicht heftiger ausfallen als in den USA.

Dennoch: Der langfristige Zinspfad wird letztlich ein flacher sein. Eine der ökonomischen Theorien, die sich in der Praxis über Jahrzehnte bestätigt haben, ist die, dass der Realzins langfristig überwiegend vom Wachstum determiniert wird. Da sich trotz der Revolution in der Informationstechnik nichts an dem Trend von Dekade zu Dekade rückläufiger Wachstumsraten in den Industrieländern geändert hat, spricht viel für nachhaltig sehr niedrige Zinsen – zumindest in unserem Teil der Welt. Global agierende Unternehmen, die von den Wachstumszentren der Weltwirtschaft profitieren, werden ihre Gewinne aber deutlich mehr steigern können als das inländische Wachstum. Und Aktien weisen anders als Anleihen keine Anzeichen nennenswerter Verzerrung durch die Notenbank auf. Ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis rangiert als einziges aller Anlageklassen ziemlich genau auf dem gleichen, mittleren Niveau, auf dem es vor der Finanzkrise war.

Klaus Siegers ist seit 2005 für die Weberbank tätig, seit 2010 als Vorsitzender des Vorstandes. Zuvor führten ihn seine Tätigkeiten im Private Banking und dem Kapitalmarktgeschäft nach Düsseldorf, London, Luxemburg und Frankfurt. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen heute unter anderem Strategie, Personal und die Beratung institutioneller Kunden.