EZB: Volle Kraft voraus

[Ein Kommentar von Stefan Bielmeier, DZ BANK AG]

Im Kampf gegen vermeintliche Deflationsgefahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Juni-Sitzung nicht nur den Zins, den sie Geschäftsbanken für täglich fällige Anlagen berechnet, in den negativen Bereich (-0,10%) geschleust. Sie hat außerdem den Refinanzierungssatz auf ein neues historisches Tief von 0,15% gesenkt und weitere Maßnahmen beschlossen, die vor allem die Kreditvergabe in Südeuropa stimulieren sollen.

Profitieren dürften die Kapitalmärkte. So hat der DAX die Marke von 10.000 Punkten übersprungen.Weiterer zentraler Bestandteil des EZB-Maßnahmenpakets sind die bedingten Tenderoperationen (TLTRO). Hier wird den Banken mit einer Laufzeit bis maximal September 2018 günstige Zentralbankliquidität angeboten. Die Notenbank hofft darauf, dass die Geschäftsbanken beherzt zugreifen und diese Liquidität zur Ausweitung der Kreditvergabe nutzen. Doch zuletzt waren die Geschäftsbanken eher bestrebt, ihre Bilanzsummen angesichts ausgeprägter regulatorischer Anforderungen und Risikoabwägungen zu reduzieren und überschüssige Zentralbankliquidität vorzeitig an die EZB zurückzugeben. Vor diesem Hintergrund erscheint es zweifelhaft, dass von diesen neuen
TLTROs positive Impulse für die Kreditvergabe in der europäischen Peripherie ausgehen.

Profitieren dürften die Kapitalmärkte. So hat der DAX die Marke von 10.000 Punkten übersprungen, die Risikoprämien von Staatsanleihen der Peripheriestaaten sind weiter zurückgegangen und schon bald dürften sich Hoffnungen auf noch weiter reichende Maßnahmen der EZB bilden.
Doch Vorsicht!

Die EZB muss aufpassen, dass sie mit ihrer ultra lockeren Geldpolitik nicht neue Speku­lationsblasen an den Kapitalmärkten erzeugt.

Stefan Bielmeier ist Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research der DZ BANK AG und u.  a. verantwortlich für die strate­gische Ausrichtung des Bereichs sowie für sämtliche Wirtschafts- und Finanzmarktprognosen der Bank.