Falsche Hoffnungen in die Geldpolitik

[Ein Kommentar von Allianz-Chefvolkswirt Prof. Dr. Michael Heise]

An die Entscheidung der EZB, noch mehr Liquidität in die Märkte zu pumpen, heften sich große Erwartungen. Einer näheren Betrachtung hält dieser Glauben an die segensreiche Wirkung der „quantitativen Lockerung“ allerdings kaum stand.

Denn anders als in den USA wirkt die Geldpolitik in Europa vorwiegend über den Bankenkanal; eine direkte Finanzierung der Unternehmen über die Kapitalmärkte hat nur eine geringe Bedeutung. Der Rückgang der Bankkredite hat dabei aber nichts mit mangelnder Liquidität zu tun, sondern viel mit fehlender Nachfrage seitens der Unternehmen und dem Bestreben der Banken, Risiken in den Bankbilanzen abzubauen. Deshalb sind auch die bisherigen Liquiditätsangebote der EZB kaum genutzt worden.

Prof. Dr. Michael Heise ist Chefvolkswirt der Allianz Gruppe. Er berät die Vorstände der Allianz Gruppe in volkswirtschaftlichen und strategischen Fragen. Dazu gehören Analysen und Prognosen zur deutschen und internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktentwicklung sowie Risikoanalysen.

Noch mehr Liquidität dürfte der Konjunktur also keinen zusätzlichen Auftrieb geben. Die schädlichen Nebenwirkungen werden aber zunehmen. Zu diesen gehört, dass immer mehr Risiken an den Finanzmärkten eingegangen werden, da sichere Wertpapiere – wenn überhaupt! – nur noch Minirenditen aufweisen. Mit der EZB als zusätzlichen Käufer wird dieses Marktungleichgewicht zementiert. Dadurch wird nicht zuletzt der private Vermögensaufbau insbesondere in unteren Einkommenssegmenten erheblich erschwert. Auf der anderen Seite dürften extrem niedrige Zinsen notwendige Reformen in schwächeren Volkswirtschaften eher verzögern.

Unsere Hoffnungen für 2015 sollten sich also nicht auf die Geldpolitik richten, sondern auf das, was sie vorgibt zu bekämpfen: den allgemeinen, vor allem ölpreisbedingten Preisrückgang, der die Konsumnachfrage und das Wachstum 2015 kräftig anschieben wird.