Notenbanken mächtig wie nie – Anlagenotstand erreicht historische Ausmaße

[Ein Kommentar von Dr. Gertrud R. Traud, Landesbank Hessen-Thüringen]

Im ersten Quartal wurde das Niedrigzinsniveau am deutschen Kapitalmarkt eindrucksvoll bestätigt. Für Schuldner herrschten erneut paradiesische Verhältnisse. Für Investoren wird der Anlagenotstand hingegen immer erdrückender. Bei den großen Kapitalsammelstellen stehen jede Woche riesige Volumina abgelaufener festverzinslicher Wertpapiere, bislang mit einem auskömmlichen Kupon ausgestattet, zur Wiederanlage an.

Die Notenbanken geben eine Art Versprechen ab, dass sie die Leitzinsen für lange Zeit niedrig halten.Die Anlagebedingungen für konservative Investoren sind aber so schwierig wie noch nie. Um das Renditeniveau auch nur ansatzweise halten zu können, müssen deutlich höhere Risiken eingegangen werden. Die Investoren weichen u.a. auf Unternehmensanleihen aus, was dazu führt, dass auch diese Wertpapiere mittlerweile teurer geworden sind. Ähnliche Tendenzen sind derzeit an vielen Märkten erkennbar.

Die Notenbanken der Industrieländer haben durch die Finanz- und Eurokrise, ihren Einsatz bei der Staatsfinanzierung und durch die Übertragung der Bankenüberwachung sehr viel Macht an sich gezogen. Um ebenfalls die Finanzmärkte besser in den Griff zu bekommen, setzen sie extreme Mittel ein, wie den Ankauf von Staatsanleihen und die „Forward Guidance“. Die Notenbanken geben damit eine Art Versprechen ab, dass sie die Leitzinsen für lange Zeit niedrig halten. Der Vorteil, sofern ihnen geglaubt wird, liegt in einem größeren Einfluss auf die längeren Laufzeiten am Kapitalmarkt. In diesen Bereichen der Zinsstrukturkurve ist das Durchsetzungs-vermögen der Geldpolitik erfahrungsgemäß eher gering. Vielleicht – die Zeit wird es zeigen – wäre es besser gewesen, wenn das so geblieben wäre.
Dr. Gertrud R. Traud ist seit 2005 Chefvolkswirtin und seit Ende 2006 auch Leiterin Research der Landesbank Hessen-Thüringen in Frankfurt.