TARGET2-Securities: Welle 1 umgesetzt

Vorbereitungen für den deutschen Markt voll im Plan

Einundzwanzig nationale Märkte haben sich verpflichtet, ihre Wertpapiergeschäfte – n­ational wie grenzüberschreitend – künftig über eine zentrale IT-Plattform abzuwickeln: TARGET2-Securities (T2S) ist damit das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der europäischen Kapitalmärkte.

Initiator und treibende Kraft des Vorhabens war und ist die Europäische Zentralbank (EZB), die T2S zusammen mit den nationalen Zentralbanken der Eurozone (gemeinschaftlich: das „Eurosystem“) betreibt. Die nationalen Zentralverwahrer (CSDs) lagern die Kernfunktionen ihrer technischen Abwicklungsprozesse an das Eurosystem aus. Hierzu zählen etwa die technische Bestandsführung der Wertpapierkonten der CSDs und die Verarbeitung der Abwicklungsinstruktionen. Nicht verändert wird also die rechtliche Stellung der CSDs als unmittelbare Verwahrer der Wertpapierbestände und depotführende Vertragspartner der Institute. Ziel der T2S-Plattform ist vielmehr, eine gemeinsame Infrastruktur zu schaffen, über die alle Wertpapiertransaktionen in Europa abgewickelt werden können, ganz gleich zwischen wem und in welchem Wertpapier. Der wertpapierbegleitende Zahlungsverkehr wird dabei über ein Konto des Instituts bei seiner heimischen Zentralbank abgewickelt, das ebenfalls technisch auf der T2S-Plattform geführt wird.

Die bisherigen Paradigmen von Inlands- und Auslandsabwicklung verlieren in T2S ihre Bedeutung. T2S wird daher auch als die infrastrukturelle Voraussetzung für die Pläne der Europäischen Kommission zur Schaffung einer Kapitalmarktunion angesehen. So ist etwa die grenzüberschreitende Abrechnung von Wertpapiergeschäften an geregelten Märkten (Börsen) – wie in MiFID II vorgesehen – ohne eine einheitliche Infrastruktur kaum vorstellbar. Ähnliches gilt für das Recht eines Emittenten nach der CSD-Verordnung, den CSD für seine Emission frei wählen zu können. Auch ein fairer Wettbewerb zwischen CSDs sowie zwischen CSDs und Custodian-Banken kann nur erreicht werden, wenn die Wertpapierabwicklung zwischen Teilnehmern verschiedener Wettbewerber diskriminierungsfrei möglich ist.

Die finanziellen Vorleistungen aller Beteiligten in Hinblick auf T2S sind beträchtlich. Die reinen Entwicklungskosten des Eurosystems liegen bei etwa 400 Mio. Euro. Hinzu kommen jährliche Kosten für den Betrieb und erforderliche Weiterentwicklungen in Höhe von etwa 65 Mio. Euro. Den bisherigen finanziellen Aufwand der Finanzindustrie bezifferte die Börsen-Zeitung jüngst auf rund 1 Mrd. Euro. Auch für die dwpbank ist T2S mit hohen Investitionskosten verbunden, die aufgrund der Funktion der dwpbank als zentraler Dienstleister allerdings zum Nutzen aller Kunden eingesetzt werden. Die erforderlichen Anpassungen im WP2-System der dwpbank ziehen sich durch die gesamte Verarbeitungskette und berühren beinahe alle Sachgebiete: vom Order­datensatz und der Orderannahme über die neu zu implementierenden Instruktionstypen, die SWIFT-Kommunikation und den technischen Tagesablauf bis hin zur Kontenabstimmung, den Verwahrarten, Kapitalmaßnahmen und Erträgniszahlungen. Das Ziel der dwpbank ist, die Auswirkungen der notwendigen Änderungen auf die Kunden so gering wie möglich zu halten.

So werden Institute, die über das Omnibus-Verfahren der dwpbank abwickeln, von den Anpassungen in der täglichen Praxis nur wenig mitbekommen. Eine Ausnahme stellt die Umstellung von SEPA auf das SWIFT-Format im Zahlungsverkehr zwischen dwpbank und Kunde dar, die im Vorfeld der T2S-Einführung im kommenden Jahr vollzogen wird. Nur so kann zukünftig eine taggenaue Geldverrechnung gewährleistet werden. Die Wholesale-Kunden der dwpbank wiederum sind eng in die Projektaktivitäten der dwpbank eingebunden: Workshops, regelmäßige Telefonkonferenzen und schriftliche Informationen sind Teil des Kommunikationskonzepts.

In Anbetracht der hohen Kosten stellt sich natürlich die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen bzw. wer in welchem Umfang von T2S profitieren wird. Obwohl die Kosten des grenzüberschreitenden Settlements durch T2S massiv sinken werden, herrscht im Markt Einigkeit, dass der Investitionsaufwand für T2S sich durch Einsparmöglichkeiten bei den abwicklungsbezogenen Kosten allein kaum amortisieren kann. Hierzu bedürfte es schon einer enorm hohen Anzahl an grenzüberschreitenden Geschäften. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Konsolidierung aller Euro­märkte in T2S erst nach einem von Clearstream noch nicht näher präzisierten Übergangszeitraum möglich sein wird.

Der Mehrwert, den T2S der Finanzindustrie bieten kann, erschließt sich vor allem aus den besseren Steuerungsmöglichkeiten beim Einsatz von Wertpapieren und Liquidität. Transaktionen mit Gegenparteien aus verschiedenen Märkten folgen in T2S abwicklungstechnisch einheitlichen Regeln. Risiken aus der Abwicklung von Back-to-back-Geschäften lassen sich so signifikant verringern. Die mit Transaktionen in verschiedenen Märkten verbundenen Zahlungsströme können auf einem Bundesbankkonto gebündelt werden. Für Auslandsmärkte müssen daher nicht länger zusätzliche Liquiditätsreserven vorgehalten werden. Collateral aus ganz Europa kann zentral verwaltet und eingesetzt werden. Liquidität und Collateral werden so freigesetzt. Es sind somit nicht zuletzt Aspekte des Risiko- und Eigenkapitalmanagements, die bei der Analyse der Potenziale von T2S berücksichtigt werden sollten. Die dwpbank kann ihren Kunden dabei helfen, die Potenziale zu erkennen und technisch bestmöglich umzusetzen.

Wholesale-Kunden bieten sich also verschiedene Steuerungsmöglichkeiten, um das Beste aus T2S herauszuholen. Die dwpbank hat sich ent­schlossen, eine Direktanbindung für die Geldabwicklung zur T2S-Plattform zu implementieren. Ihre Whole­sale-Kunden profitieren unmittelbar von dieser Anbindung, da die dwpbank hierüber unterstützende Dienstleistungen für die neue Geldabwicklung auf dem T2S-Geldabwicklungskonto des Kunden anbieten kann, ohne dass der Kunde selbst eine entsprechende aufwendige direkte Anbindung umsetzen muss.

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Ende August wurde die Migration der ersten Welle von teilnehmenden Märkten abgeschlossen. Damit nutzen die CSDs aus Rumänien, Griechenland, Malta, der Schweiz und Italien die neue Plattform. Über die dortigen Lagerstellen hat T2S für die dwpbank und ihre Kunden bereits begonnen. Der deutsche CSD Clearstream Banking (CBF) wird als Teil der dritten Migrationswelle seine Wertpapierabwicklung zum 12. September 2016 auf die T2S-Plattform übertragen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die dwpbank mit ihren Kunden über eigene Stückekonten bei CBF und Geldkonten bei der Bundesbank unmittelbar an T2S teil. Dementsprechend laufen die Projektaktivitäten der dwpbank zur Umsetzung der T2S-Anforderungen auf Hochtouren. „Wir haben mittlerweile zahlreiche Anforderungen umgesetzt und weitere Abnahmetestaktivitäten gestartet“, berichtet Andreas Zehnter, Projektleiter der dwpbank.

Weitere intensive Projektarbeit rund um T2S liegt noch mindestens bis ins Jahr 2017 vor der ­dwpbank. Die Kunden können sich darauf verlassen, dass mit der großen Projekterfahrung der ­dwpbank auch TARGET2-Securities pünktlich und erfolgreich umgesetzt wird.