Das Wertpapiergeschäft boomt, doch seine Spielregeln verändern sich. Wie gelingt es Banken und Sparkassen, digitale Selbstentscheider zu binden? Das neue Depot „S-Neo“ der Sparkassen zeigt: Innerhalb weniger Wochen entstehen tausende Depots – ohne Marketing. Unser Leiter für Produktmanagement und Neukunden blickt hinter die Kulissen.
Kundenbindung entscheidet sich heute nicht mehr nur im Beratungsgespräch. Sie entscheidet sich in der App, im Preisvergleich und im Moment der Kontoeröffnung. Einfache, mobile Prozesse und eine klare Preisstruktur sind ausschlaggebend. Viele Institute verfügen über gewachsene Kundenbeziehungen, Beratungskompetenz und regionale Nähe. Die strategische Frage im Wertpapiergeschäft lautet daher: Wie lässt sich das bewährte Multikanal-Angebot um ein rein digitales Angebot ergänzen, um damit neue Anlegerinnen und Anleger für das Institut zu begeistern?
Kundensegmentierung als Hebel
Wertpapieranlagen sind gefragt – nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Relevanz für die Altersvorsorge. So hielten private Haushalte laut Bundesbank Ende 2025 37,2 Millionen Depots. Damit hat sich die Zahl seit 2015 verdoppelt. Auch für die Institute hat das Wertpapiergeschäft einen hohen Stellenwert, betont Werner Loser, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Freudenstadt:
„Das Wertpapiergeschäft spielt für die Sparkassen eine große Rolle. Schon seit der Coronazeit beziehungsweise mit der Nullzinspolitik haben wir das Geschäft sehr forciert. Mittlerweile ist es eine wesentliche Ertragssäule.“
Werner Loser, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Freudenstadt
Das Problem ist nicht die Nachfrage. Die Herausforderung liegt in einer Angebotsarchitektur, die der Vielfalt der Anlegerschaft gerecht wird. Denn viele Institute haben eine sehr heterogene Kundenstruktur, es gibt nicht den einen Wertpapierkunden: Während Wertpapiereinsteiger günstige Konditionen mit zielgerichteten Leistungen erwarten, sucht ein vermögender Kunde eher die persönliche Beratung. Ein technikaffiner Selbstentscheider wiederum möchte eigenständig und digital handeln – ohne ein Zweitdepot bei einem Drittanbieter eröffnen zu müssen.
Wer diese Gruppen mit einem einzigen Depotangebot bedienen will, riskiert Unschärfe – oder Abwanderung. Auch bei unserem Executive Summit im November 2025 waren sich die Experten von Santander Consumer Bank, Stadt-Sparkasse Solingen und DZ BANK auf unserem Panel einig: Institute können sich im dynamischen Wettbewerb dadurch unterscheiden, dass sie bei ihrer Depotstruktur einen Mehrwert bieten.
Mitwachsen statt Kannibalisieren
Genau diesen Mehrwert bietet unsere neue Depotwelt: Sie strukturiert das Angebot bewusst in klar voneinander abgegrenzte Modelle, passgenau für jedes Kundenbedürfnis. So können Institute ihre Zielgruppen differenziert ansprechen und Preise strategisch setzen.
Die besondere Stärke liegt im Zusammenspiel der Modelle: Ein Kunde startet mit ersten Transaktionen und Sparplänen, baut Vermögen auf und wechselt bei wachsendem Bedarf nahtlos in ein beratungsorientiertes Depotmodell – ohne Depotnummerwechsel, ohne Systembruch. Anstelle von Kannibalisierung entsteht so ein steuerbarer Entwicklungspfad. Das Institut bleibt über alle Kanäle und den gesamten Kundenlebenszyklus hinweg Ansprechpartner sowohl für Selbstentscheider als auch in der persönlichen Kundenberatung. Diese Durchlässigkeit schafft Bindung und eröffnet Entwicklungspotenzial für die Depotkundschaft und das Institut. Denn die juristische Depotführerschaft verbleibt im eigenen Haus. Damit behält das Institut die Hoheit über die Leistungsbestandteile und Erträge.
Dafür braucht es eine Infrastruktur, die in beide Richtungen skaliert – vom einfachen Sparplangeschäft bis zu individuellen Vermögensverwaltungslösungen. Mit unserer Cloud-nativen und hochperformanten Wertpapierplattform WP3 bieten wir diese modulare und vor allem stabile Infrastruktur, die erforderlich ist, um das Vertrauen der Depotkundschaft im Wertpapierhandel zu wahren.
Die neue Depotwelt der dwpbank im Überblick
Das Wertpapiergeschäft boomt. Die Anlegerschaft ist so heterogen wie nie zuvor. Ob Einsteiger oder Profi: Ein passgenaues Depotangebot macht den Unterschied. Erfahren Sie, wie unsere modulare Depotwelt individuelle Kundenbedürfnisse optimal bedient:
Use Case S-Neo: Innovative Depotlösung für digitale Selbstentscheider
Wie eine gezielte und differenzierte Kundenansprache im Markt wirkt, zeigt die Praxisverprobung des neuen Selbstentscheider-Depots „S-Neo“ der Sparkassen. Dafür schickte ein ausgewählter Kreis von Sparkassen aus unterschiedlichen Regionen und aller Größenordnungen das neue Depotangebot in den Live-Betrieb. Während die dwpbank mit ihren neuen Depotmodellen die funktionelle Grundlage liefert und im Hintergrund die technologische Abwicklung der Wertpapierservices übernimmt, läuft der Wertpapierhandel für die Kundinnen und Kunden direkt, nahtlos und steuerbar über die Sparkassen-App, die von der Finanz Informatik (FI) entwickelt und auf User Experience optimiert wurde.
Die intensive Zusammenarbeit und Pilotierung haben sich ausgezahlt: Herausgekommen ist ein wettbewerbsfähiges Produkt, das den Instituten einen strategischen Zugang zu einer klar definierten Zielgruppe bietet und sich nahtlos in die Sparkassenwelt integriert.
Für Werner Loser von der Kreissparkasse Freudenstadt ist S-Neo mehr als ein isoliertes Produkt:
„Unser Ziel ist es, Kunden über das Einstiegsthema Wertpapiere mit S-Neo an das gesamte Wertpapiergeschäft heranzuführen. Wenn uns das gelingt, können wir sie problemlos aus der S-Neo-Welt in unsere stationäre Depotwelt überführen. Dabei führen wir nicht nur S-Neo ein, sondern haben unsere gesamte Depotwelt neu strukturiert. Es gibt nun zwei Beratungsdepots für junge Leute bis 24 Jahre, die wir komplett gebührenfrei anbieten.“
Werner Loser, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Freudenstadt
Natürlich braucht jede strategische Veränderung eine saubere Vorbereitung. Dabei hat die dwpbank die Praxisverpober eng in der Entscheidungsfindung sowie der administrativen und regulatorischen Umsetzung unterstützt. Die Institute konnten auf umfangreiches Material und Tools zugreifen, angefangen von Entscheidungshilfen und FAQs bis hin zu einem Preis- und Simulationsrechner. So war die Neustrukturierung des Depotangebots auch für kleinere Institute wie die Kreissparkasse Freudenstadt gut handhabbar.
S-Neo zeigt exemplarisch, wie digitale Selbstentscheider abgeholt werden können und dass der Bedarf am Markt vorhanden ist. Im Rahmen der Verprobungsphase wurden bereits innerhalb weniger Wochen mehrere Tausend Depots eröffnet, zahlreiche Transaktionen durchgeführt und Sparpläne eingerichtet – ohne jegliche Marketingkampagne. Entscheidend ist dabei die strategische Wirkung: Technikaffine Selbstentscheider bleiben im Sparkassen-Ökosystem und können bei Bedarf zum Beispiel in Modelle mit Beratungsleistung sowie Zugang zu allen Anlageklassen und Handelsplätzen überführt werden.
Wie sich diese Neuordnung konkret anfühlt und welche strategischen Überlegungen dahinterstehen, erläutert Werner Loser, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Freudenstadt, im Video-Interview:
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Mehr InformationenWettbewerbsfähigkeit neu denken
Der Wettbewerb im Depotgeschäft wird nicht allein über Gebühren und User Experience geführt. Entscheidend ist, ob Institute ihre Angebote differenziert aufbauen und Kundenbeziehungen systematisch entwickeln.
Mit unserer Depotwelt erhalten Banken und Sparkassen einen Rahmen, der genau das ermöglicht, ohne dass sie die strategische Steuerung aus der Hand geben müssen. Für Institute bedeutet das: Nicht reaktiv auf Marktbewegungen reagieren, sondern das eigene Depotgeschäft aktiv neu ordnen. S-Neo ist ein sichtbares Beispiel dafür.