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Drei Wochen Zeit: Wo die BaFin-Vorgabe wirkt – und wo nicht

ca. 6 Minuten

Besserer Service, Umzüge, Erbschaften – Gründe, warum man seine Wertpapiere zu einer anderen Bank umziehen will, gibt es viele. Vor allem seitdem immer mehr Neobroker auf den Markt drängen, hat das Volumen der Depotüberträge zugenommen. Aber auch die demografische Entwicklung und die gegenüber russischen Banken verhängten Sanktionen sind Effekte, die zu einer höheren Wechselquote geführt haben.

Problematisch wird ein solcher Übertrag dann, wenn er zu lange dauert. Denn als Anleger hat man auf seine im Transfer befindlichen Wertpapiere keinen oder nur eingeschränkt Zugriff. Eine Reaktion auf einen plötzlichen Kurssturz ist während der Übertragung nicht möglich. Auch Gewinne lassen sich währenddessen nicht realisieren.

BaFin führt Drei-Wochen-Frist ein

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Pavlo Gonchar

Weil es vielen Anlegerinnen und Anlegern zu lange dauerte, bis sie nach einem Wechsel wieder auf ihre Wertpapiere zugreifen konnten, haben sich seit 2020 Beschwerden über langwierige Depotüberträge bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gehäuft. Diese hat darauf im Frühjahr mit der Einführung einer Frist reagiert: Die Aufsicht gesteht Banken und Brokern einen Zeitraum von „längstens drei Wochen“ zu, in dem ein Depotübertrag vollzogen sein soll. Kann das Institut diese Frist nicht einhalten, muss der Kunde informiert werden, dass es länger dauert und woran es hakt.

Eine Überschreitung der Drei-Wochen-Frist hat zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen für die beteiligten Institute. Die BaFin macht in ihrer Mitteilung allerdings unmissverständlich klar, dass sie eingehend prüft, ob ihre Regelung eingehalten wird. Insbesondere will die Bankenaufsicht kontrollieren, ob Institute personell entsprechend ausgestattet sind, um einen Rückstau in der Bearbeitung von Depotüberträgen zu verhindern. „Aus dem Austausch mit Marktteilnehmern wissen wir, dass genau das der Knackpunkt ist: Das gewachsene Volumen führt zu Rückstaus bei der Bearbeitung von Depotüberträgen, worüber sich die Depotkundinnen und -kunden in der Vergangenheit gehäuft bei der BaFin beschwert haben“, sagt Thomas Maus, Experte für Transaktionsservices bei der dwpbank.

Von 2,6 Millionen Depotüberträgen im Jahr 2021 waren nur 0,15 Prozent länger als 21 Tage offen.

99,85 Prozent aller dwpbank-Überträge in vorgegebener Frist

„Auch in unserer Abteilung haben die Anforderungen zugenommen. Aber wir haben keine signifikante Anzahl von Überträgen, die über die Drei-Wochen-Frist hinausgehen“, sagt Uwe Brehm, Abteilungsleiter Depotüberträge. „Von 2,6 Millionen Depotüberträgen im Jahr 2021 waren nur 0,15 Prozent länger als 21 Tage offen.“ Mit der überwiegenden Mehrzahl der Abwicklungen lag die dwpbank also im vergangenen Jahr innerhalb der von der BaFin vorgegebenen Frist.

Aber wie kommen die wenigen Verzögerungen zustande? „In den seltenen Fällen, in denen ein Depotübertrag doch einmal länger als drei Wochen gedauert hat, lag das nicht an unseren Prozessen, sondern daran, dass externe Akteure, sogenannte Transfer Agents (TA), involviert waren. Kommunikation und Abstimmung der Lieferwege kosten dann sehr viel Zeit“, erklärt Thomas Maus.

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Wie funktioniert ein Depotübertrag?

Zunächst müssen Anleger, falls noch nicht vorhanden, ein neues Depot eröffnen, an das die Wertpapiere übertragen werden sollen. Bei der Eröffnung kann der Übertrag gleich mit beauftragt werden, der innerhalb Deutschlands übrigens kostenfrei ist. Andernfalls muss man die Übertragung separat bei der empfangenden oder der abgebenden Bank in Auftrag geben. Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, stehen die Wertpapiere im neuen Depot zur Verfügung.

Das kann mitunter dauern. Dabei sagt das Wertpapierhandelsgesetz: Depotaufträge sind grundsätzlich unverzüglich auszuführen (§ 69 Abs. 1 Nr. 1 WpHG). Gerade bei ausländischen Übertragungen ist diese Kurzfristigkeit oft kaum zu meistern. Die Gründe sind vielfältig.

Manche Abwicklungen können mehrere Wochen in Anspruch nehmen, weil zum Beispiel für einen Wechsel von Hongkong nach Großbritannien Papierdokumente verschifft werden müssen. Hier ist Aufklärungsarbeit von unserer Seite gefordert.“

Unklare Lieferwege und manuelle Prozesse Hauptursache für Verzug

Zum einen sind vor allem bei Depotüberträge im Ausland neben dem abgebenden und dem empfangenden Institut weitere Akteure am Prozess beteiligt, was den Prozess verlangsamt – vor allem wenn TAs ins Spiel kommen, bei denen Custodians oder Central Securities Depository (CSD) wie Clearstream in Deutschland Wertpapiere zwischenlagern. Bei diesen vor allem in Großbritannien üblichen TAs ist die Digitalisierung oft noch nicht so weit angekommen, dass der Übertrag per Knopfdruck geschieht. Tatsächlich werden Depotüberträge von TAs häufig von Hand bearbeitet. „Lieferwege müssen hier teilweise noch per Fax kommuniziert werden. Man geht davon aus, dass Depotüberträge, die über TAs laufen, deshalb mindestens drei Wochen dauern“, erklärt Thomas Maus.

Ein weiterer Effekt, der den Prozess in die Länge zieht: Die Lieferwege sind nicht standardisiert und müssen erst abgefragt werden. „Es gibt Marktusancen, die dazu führen, dass Überträge mehrere Wochen dauern. Weil zum Beispiel für einen Wechsel von Hongkong nach Großbritannien Papierdokumente verschifft werden müssen“, erklärt Abteilungsleiter Uwe Brehm. „Hier ist Aufklärungsarbeit von unserer Seite gefordert.“

BaFin-Vorstoß sorgt für mehr Transparenz

Anders ist es bei Depotwechseln von einer deutschen Bank zu einer anderen. Dieser Prozess dauert nicht länger als zwei Werktage und wird daher als „T+2-Abwicklung“ bezeichnet. „Die Prozesse sind Standard, vollautomatisiert und die Lieferwege transparent. Da gibt es keine Verzögerungen“, erklärt Thomas Maus. Das auch als Messlatte an Depotüberträge im Ausland anzulegen, hilft Banken und Brokern bei der Optimierung ihrer Prozesse.

Laut BaFin zeigt ihr Vorstoß schon Wirkung: Viele Institute hätten gezielt Personalressourcen aufgestockt und Vorgänge digitalisiert, um die Drei-Wochen-Frist einhalten zu können. Und sollte es trotzdem einmal länger dauern, informieren sie ihre Kunden über den Verzug und die Gründe dafür. Das trage letztlich zu mehr Transparenz und Planungssicherheit für Anlegerinnen und Anleger bei.

Zu den Personen

Uwe Brehm leitet die Abteilung Depotüberträge der dwpbank, zuvor hatte er Leitungsaufgaben in den Bereichen Clearing & Settlement, Erträge & Fällige, Datenmanagement und Geldverkehr inne.

Thomas Maus ist Senior Experte für Transaktionsservices, auch er arbeitete in den Bereichen Erträge & Fällige und Settlement. Außerdem war er im Bereich Corporate Actions tätig - ehe er die zentrale Abteilung Depotüberträge aufbaute.

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