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Blockchain: „Um die neue technologische Infrastruktur kommt niemand herum“

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Die Blockchain ist dabei, den Finanzmarkt zu verändern. Dr. Philipp Wagner, stellvertretender Abteilungsleiter im Digitalisierungsmanagement der dwpbank, über neuartige Finanzprodukte, die Plattform wpNex und die Chancen für Banken und ihre Kunden.

Herr Dr. Wagner, zu ihren Aufgaben gehört es, die Möglichkeiten der Blockchain für das Wertpapiergeschäft zu analysieren und Chancen für den Markt abzuleiten. Wo steht der Markt aktuell im Bereich Blockchain?

Der Markt kommt sozusagen aus der Pubertät heraus. Blockchain als Datenstruktur gibt es schon seit den 1990er Jahren, aber erst deutlich später hat man es geschafft, dezentrale Netzwerke und Business-Cases zu entwickeln. Der Bitcoin war dann ab 2009 der erste digitale Wertgegenstand, der sich behaupten konnte. In den Anfangsjahren war nicht klar, ob etwas wie Bitcoin langfristig funktioniert, aber ab 2015 etwa hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass die dahinterliegende Technologie resilient ist. Zu dem Use-Case der Kryptowährungen kam nun die Idee eines dezentralen Computersystems, das dank Blockchain nicht zuletzt Decentralized Finance ermöglicht, kurz DeFi.

Was ist an Decentralized Finance so spannend?

Die Idee hinter DeFi ist, auf Grundlage von Blockchain-Protokollen sogenannte intelligente Verträge zu nutzen, die „Smart Contracts“, durch die Finanzdienstleistungen dezentral automatisiert durchgeführt werden können. Zentrale Akteure wie heutige Börsen oder Banken werden bei DeFi prinzipiell überflüssig. Wohlgemerkt: Es wird auch weiterhin zentrale Akteure geben, aber die Blockchain ermöglicht für digitale Finanzgeschäfte eine neue Ebene, die den Markt verändern wird. Diese offene Infrastruktur wird dem Finanzsektor selbst und dem Endkunden zugutekommen.

Wir schaffen eine Verbindung zwischen neuen digitalen Werten und unserer Plattform-Infrastruktur, um Anlegerinnen und Anlegern digitale Assets im Onlinebanking verfügbar zu machen.

Was hat sich denn schon verändert?

Das Bitcoin-Protokoll selbst hat sich in 14 Jahren eher wenig verändert, die Infrastruktur drumherum dafür umso mehr. Es sind Smart-Contract-Plattformen wie beispielsweise Ethereum entstanden. Diese dezentralen Handelsplätze waren lange von der traditionellen Finanzwelt und dem durchschnittlichen Anleger getrennt. Jetzt kommen diese zwei Welten langsam näher zusammen.

Die dwpbank hat die Plattform wpNex entwickelt. Kann sie diese zwei Welten verbinden?

Genau, wpNex ist die Verbindung von neuen digitalen Werten mit der gewohnten Plattform-Infrastruktur der dwpbank. Wir schaffen diese Verbindung, um Anlegerinnen und Anlegern digitale Assets im Onlinebanking verfügbar zu machen. Der Kunde erhält somit einen bequemen Zugang zu digitalen Vermögenswerten, zunächst fürs Kaufen und Verkaufen von Bitcoin. Das ist aber erst der Startpunkt.

Welcher Bereich im Markt ist für Sie am spannendsten?

Mit Blick auf wpNex ist das der Zugang zu digitalen Assets – zum einen zu Kryptowerten wie Bitcoin und zum anderen künftig zu digitalen und tokenisierten Assets. Wichtig ist: Wir wollen kein synthetisches Produkt auf den Markt bringen, sondern direkte Investments in ein bestimmtes Asset ermöglichen. Um das zu erklären: Gehe ich zur Bank und will in Gold investieren, dann gibt es oft ein Finanzprodukt, das den Goldpreis abbildet und sich genauso entwickelt. Man hat dann aber kein Gold, sondern zum Beispiel einen Fonds. Wir bieten einen direkten Zugang zum Asset und verwahren es – ohne extra ein neues komplexes Finanzprodukt zu kreieren.

Welche Assets können das konkret sein? Anteile an einer Gemäldesammlung zum Beispiel?

Ja, auf jeden Fall, technisch sind dem kaum Grenzen gesetzt. Die Frage ist, was man in einem regulierten Bankenumfeld anbieten kann und darf. Es gibt da drei Möglichkeiten. Erstens ganz neue Assets, zum Beispiel eine Kryptowährung wie Bitcoin. Zweitens tokenisierte Produkte wie Non-Fungible-Token oder neue Produkte, beispielsweise die Tokenisierung einer Immobilie.  Der dritte Fall wäre ein Produkt, das es schon gibt, das wir aber auf die neue Infrastruktur überführen und damit Effizienzvorteile erreichen, beispielsweise ein Krypto-Wertpapier, das wie ein herkömmliches Wertpapier reguliert ist.  

Wo erwarten Sie die nächsten Entwicklungssprünge?

Durch die dezentrale Blockchain-Infrastruktur wird es einen Automatisierungsschub geben. Wenn das Vertrauen in Smart Contracts steigt, können sie zu vielen Verbesserungen im Markt führen. Zudem wird zukünftig alles 24/7 und quasi in Echtzeit abgewickelt werden.

Meine Grundthese ist: Um die neue technologische Infrastruktur kommt niemand herum. (...) Sobald ein Anbieter das erfolgreich umsetzt, werden andere folgen – und mit ihnen die Kunden.

Welche Rolle spielt hier wpNex?

Ich denke, wpNex ist ein wichtiger Schritt in dieser Entwicklung, um Erfahrungen zu sammeln und Vertrauen aufzubauen. Wenn wpNex weiter ausgebaut wird und zuverlässig und sicher läuft, werden Regulatoren und immer mehr Kunden ebenfalls Vertrauen fassen. Wir bei der dwpbank behalten im Auge, was sich technologisch tut und was sich daraus ergeben kann. Wenn dann eine Nachfrage entsteht, können wir die Voraussetzungen für ein neues Produkt schnell schaffen, um diese zu bedienen.

Was würden Sie den Kundenbanken empfehlen, um Schritt zu halten?

Manche machen eigene Projekte, manche warten, manche versuchen, es im jeweiligen Verbund voranzutreiben. Größere Institute oder Bankengruppen wie unsere Kunden – die Sparkassen und Volksbanken – tun gut daran, eine gebündelte Lösung anzustreben. In meinen Augen ist wichtig: Wenn man sich für eine Lösung entscheidet, dann sollte sie ausbaufähig sein und eine gewisse Interoperabilität darstellen. Das ist auch der Ansatz von wpNex. Wir wollen damit den künftigen Kundeninteressen entsprechen. Deshalb können wir modular Funktionalität dazu bauen und neue Infrastrukturen andocken.

Gibt es aus Ihrer Sicht noch Zweifel, ob die Blockchain den Markt immer stärker prägen wird?

Meine Grundthese ist: Um die neue technologische Infrastruktur kommt niemand herum. Weltweit wird daran gearbeitet. Dass alles automatisierter wird und Blockchain-Infrastrukturen dabei eine Rolle spielen, ist für mich absehbar. So, wie viele vor zehn Jahren gesagt haben: Onlinebanking auf dem Handy in einer App finde ich seltsam – heute machen das sehr, sehr viele. Sobald ein Anbieter das erfolgreich umsetzt, werden andere folgen – und mit ihnen die Kunden.

Zur Person

Dr. Philipp Wagner ist stellvertretender Abteilungsleiter Digitalisierungsmanagement der dwpbank. Er befasst sich mit der Digitalisierung traditioneller Finanzprodukte und der neuen Plattform der dwpbank: wpNex.

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Martin Michel

Pressesprecher

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